Im Interview: Dr. Sandra von Möller, Geschäftsführerin BÄRO GmbH in Leichlingen

Im BOSANOVA Interview Dr. Sandra von MöllerIm Interview: Dr. Sandra von Möller - Geschäftsführerin der BÄRO GmbH in Leichlingen u. Vize-Präsidentin der IHK Köln; BOSANOVA Agentur für Communication & Event, Köln, 2017 - Foto: © Dr. Sandra von Möller

In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. Diesmal: Dr. Sandra von Möller, sozial engagierte Unternehmerin, Vize-Präsidentin der IHK Köln und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

BOSANOVA UND DR. SANDRA VON MÖLLER – WIR MACHEN DIE WELLE – SICHTBAR, SOZIAL, ENGAGIERT

 

BOSANOVA-Redaktion: Sabrina, Dr. Sandra von Möller und Du, ihr kennt euch aus dem Umfeld der IHK in Köln. Wie war eure erste Begegnung und wie kam es zum Kennenlernen?

Sabrina Stremmel: Wir haben uns an einem Networking-Abend in Köln kennengelernt. Da ich dort kurz einen Einblick in die BOSANOVA-Welt geben durfte, wurde Frau von Möllers Interesse geweckt und ein persönlicher Austausch war schnell gegeben. Uns wurde schnell klar, dass wir gemeinsam in der Wirtschaft als Frauen an der Spitze ähnliche Einstellungen und Sichtweisen haben. Ihre Arbeit und Engagement sind zudem ein sehr interessantes Feld! Weitere gemeinsame Abende im Rahmen einer Ausstellung u.ä. folgten und ich freue mich immer sehr auf ein Gespräch! Wer weiß was das spannende Jahr 2018 noch alles bereit hält ;-)

BOSANOVA-Redaktion: Frau von Möller, Sie sind seit 8 Jahren gemeinsam mit Ihrem Ehemann in der Geschäftsführung der BÄRO GmbH & CO. KG in Leichlingen, einem mittelständischen Unternehmen für Lichttechnik im Einzelhandel und Luftreinigungstechnologien im Bereich Lebensmittel & Gastronomie tätig. Aber das ist nur EIN Aspekt dessen, wie Sie öffentlich wahrgenommen werden. Gleichzeitig sind Sie als Unternehmen, aber besonders auch als Unternehmerin sozial sehr engagiert und treten für Vielfalt, Gleichberechtigung und soziale Verantwortung ein. Ihr Unternehmen hat die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Was bedeutet dies für Sie und Ihr Unternehmen?

Sandra von Möller: Als Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“ wollen wir ein Arbeitsumfeld frei von Vorurteilen schaffen. Wir begreifen Diversität in erster Linie als Chance. BÄRO setzt sich deswegen vorbehaltslos für eine vielfältige und offene Unternehmenskultur ein. Dabei steht die Wertschätzung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Fokus. Ganz unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung sowie Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Dies ist uns ein ganz besonderes Anliegen. Insofern ist es für uns auch selbstverständlich, zum Beispiel Flüchtlingen ein Praktikum oder eine Ausbildung in unserem Unternehmen anzubieten.

Bundesverdienstkreuz für Dr. Sandra von Möller

Dr. Sandra von Möller mit Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles bei der Ehrung: Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Foto: © Sandra von Möller

BOSANOVA-Redaktion: Neben Ihrem unternehmerischen Engagement (u.a. im Rahmen der nationalen Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft „Wir zusammen“) haben Sie vor 14 Jahren selbst den gemeinnützigen Verein KIDsmiling gegründet, den Sie selbst auch mit Ihrem Unternehmen unterstützen. Dafür wurden Sie im März diesen Jahres auch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Was macht der Verein und wie kam es zu dieser besonderen Auszeichnung?

Sandra von Möller: KIDsmiling fördert Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 18 Jahren, die in sozial benachteiligten Verhältnissen aufwachsen. Der Verein bietet gezielt Projekte in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung an, die den Problemen der wachsenden Kinderarmut und der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit begegnen. Im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit steht das KIDsmiling-Fußballprojekt, welches wir im Mai 2007 in Köln gestartet haben und mit dem wir mittlerweile jede Woche an 26 Standorten in Köln, Düsseldorf, Leverkusen und Bonn über 500 Kinder und Jugendliche erreichen.
Die Idee war es, ein kostenloses Fußballtraining in jenen sozial belasteten Stadtteilen anzubieten, in denen Kinder und Jugendliche keine Anbindung an Vereine haben und häufig mit Alkohol, Drogen, Kriminalität und Gewalt konfrontiert sind. Bis heute ist es uns gelungen, das Fußballtraining zu einem etablierten Freizeitangebot zu entwickeln. Erfahrene und pädagogisch geschulte Trainerinnen und Trainer leiten die Übungsstunden. Sie gehen sensibel und professionell mit den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen um und sind darüber hinaus Vorbild und Ansprechpartner.
Besonders wichtig ist uns dabei, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Selbstmotivation zu stärken und ihnen Perspektiven für ihre Zukunft aufzuzeigen. Sie lernen nicht nur Fairness und Teamgeist, sondern erleben auch, dass man durch Ehrgeiz und Disziplin über sich hinauswachsen kann. Des Weiteren bieten wir seit Herbst 2012 angesichts der Ankunft vieler Geflüchteter in und um Köln auch gezielt offene und kostenlose Fußballtrainings für Kinder und Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund an.
Ergänzt wird dieses Angebot durch organisierte Fußballturniere, Koch-Workshops und Berufsorientierungsveranstaltungen. Ich fühle mich natürlich sehr geehrt, dass ich für meine Arbeit für KIDsmiling mit der höchsten Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, insbesondere weil der Vorschlag hierfür aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales kam.

BOSANOVA-Redaktion: Das Thema Gleichberechtigung gerade im beruflichen Kontext ist ebenfalls eines, mit dem Sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Bereits vor 4 Jahren forderten Sie in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger: „Wir brauchen die Quote!“ um mehr Frauen in Führungspositionen zu befördern. Hat sich Ihrer Ansicht nach in den letzten Jahren bereits Positives bewegen lassen? Wie sorgen Sie im eigenen Unternehmen für das Durchstoßen der gläsernen Decke?

Sandra von Möller: Leider hat sich in den letzten Jahren nicht viel bewegt. Lediglich der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten ist aufgrund der im Mai 2015 eingeführten Frauenquote auf 27,5% gestiegen – erfüllt damit aber nicht die Vorgabe von 30%. Vor allem aber stagniert der Anteil von Frauen bei den wichtigeren Vorstandsposten seit Jahren bei unter 7%. Das zeigt, dass eine freiwillige Quote keine Veränderung bringt. Insofern bleibe ich bei meiner Forderung nach einer Frauenquote für Vorstände. Im Übrigen kann ich das häufige Argument, man wolle doch keine Quotenfrau sein, nicht nachvollziehen. Ob – bei entsprechender Qualifikation – eine bestimmte Position aufgrund von Beziehungen, Parteibuch oder eben Quote erreicht wird, ist doch unwichtig: Hauptsache man bekommt die Chance zu beweisen, dass man diese hervorragend ausfüllen kann. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die Einführung einer Frauenquote dazu führen wird, dass die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, die in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schlecht sind, schnell verändert werden. Hierzu gehören ausreichende und zeitlich flexible KiTa-Plätze, qualifizierte Ganztagsschulen und die vollständige Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben.

Bei BÄRO bemühen wir uns um individuelle, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasste Lösungen. Dies beinhaltet zum Beispiel Regelungen zur Teilzeitarbeit für Mütter und Väter. Außerdem ist es für uns selbstverständlich, dass Väter in Elternzeit gehen. Darüber hinaus ermutigen und unterstützen wir junge Mitarbeiterinnen ausdrücklich, ihre eigene Karriere zu planen.

IHK Frauen Business Tag, Dr. Sandra von Möller bei der Keynote

Dr. Sandra von Möller – Vize-Präsidentin der IHK Köln – beim IHK Frauen Business Tag. Foto: © Sandra von Möller

BOSANOVA-Redaktion: Seit über zwei Jahren sind Sie Vize-Präsidentin der IHK in Köln. Damit auch Schirmherrin für den IHK Frauen Business Tag, der dieses Jahr als Konferenz für Frauen in Fach- und Führungspositionen ausgerichtet wurde. Welche Formate bietet die IHK an, um bei den Unternehmen der Region für mehr Frauen in Führungspositionen zu werben? Was lässt sich Ihrer Meinung nach noch tun, um für mehr Vielfalt in der Unternehmensführung und -kultur zu sorgen?

Sandra von Möller: Die größte Chance für eine Veränderung von bestehenden Unternehmensstrukturen sehe ich im regelmäßigen und produktiven Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern. Die IHK bietet hierfür die richtigen Plattformen wie beispielsweise das Netzwerk „Business Women Cologne“, für das ich die Schirmherrschaft übernommen habe. Hier werden Themen rund um „Frauen und Wirtschaft“ im Bezirk der IHK Köln aufgegriffen und diskutiert – ähnlich wie beim Frauen-Business-Tag. Zudem halte ich regelmäßig Vorträge zum Thema Fachkräftesicherung durch Diversity und organisiere mit der IHK Informationsveranstaltungen zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Unternehmen sehr motiviert sind, es aber beispielsweise bei der Einstellung von Flüchtlingen nach wie vor große rechtliche Unsicherheiten gibt. Hier ist die Politik dringend gefragt für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen und die Unternehmen zu informieren.

BOSANOVA-Redaktion: Es heißt oft, der digitale Wandel biete gerade für Frauen vielfältige Chancen aus eingefahrenen Arbeitszeitmodellen auszubrechen und auch Führungsverantwortung in Teilzeit oder flexibel in Absprache mit Team und Unternehmensleitung zu übernehmen. Wo stehen deutsche Unternehmen da aktuell und was sollte Ihrer Ansicht nach in naher Zukunft als erstes umgesetzt werden?

Sandra von Möller: Der digitale Wandel eröffnet neue Möglichkeiten für flexiblere Arbeitszeitmodelle, die bereits von vielen Unternehmen erdacht und umgesetzt werden. Dadurch ist es für Frauen sicher einfacher, Familie und Karriere zu vereinbaren. Allerdings darf nicht unterschätzt werden, dass das Arbeiten aus dem Homeoffice ebenfalls voraussetzt, dass die Kinder zwischenzeitlich betreut sind. Hier müssen Städte und Unternehmen aufeinander zugehen und passende Lösungen finden. In NRW liegt die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren bei knapp 26%, obwohl ab dem ersten Lebensjahr des Kindes ein Rechtsanspruch auf einen KITA-Platz besteht. Das hat zur Folge, dass viele qualifizierte Frauen nach einem Jahr Elternzeit gerne wieder in den Beruf zurückkehren wollen, mangels KITA-Platz aber nicht können. Deshalb habe ich mit der IHK und der Stadt Köln eine Kita-Initiative in Leben gerufen, um eine Verbesserung der Betreuungssituation zu erreichen. Das löst allerdings nicht die Probleme, die mit Schulbeginn auftreten, da es an qualitativ guten Ganztagsschulen mangelt.

Die Politik muss erkennen, dass der Aufbau einer umfassenden Betreuungsinfrastruktur für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein maßgeblicher Faktor ist. Im Übrigen ist das natürlich auch ein Wettbewerbsvorteil der Bundesländer und der Kommunen untereinander und ich hoffe sehr, dass die neue Landesregierung diesen Impuls aufgreifen wird.
Ich sehe daher im digitalen Wandel sehr viele Chancen für Frauen, die ergriffen werden können, wenn die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden.

BOSANOVA-Redaktion: Sie sind selbst Mutter dreier Kinder. Wie oft werden Sie in Interviews gefragt, wie Sie das überhaupt schaffen und wie oft im Vergleich dazu Ihr Ehemann?

Sandra von Möller: Ich glaube kaum, dass mein Ehemann überhaupt gefragt wird, wie er all seine Vorhaben schafft. Eben dies zeigt jedoch, wie unsere Gesellschaft mit Vorurteilen umgeht. Ich möchte Frauen dazu auffordern, mutig und selbstbewusst in die Zukunft zu gehen und ihre Visionen eines gelungenen Lebens zu verwirklichen. Dies betrifft die Karriere ebenso wie die Familienplanung. Zugleich bedeutet dieses Ziel der Gleichberichtigung jedoch auch, dass Frauen und Männer gleichauf sind. Meiner Meinung nach ist der Weg zu dieser Auffassung jedoch noch ein langer, so dass es umso wichtiger ist, dass Frauen Courage zeigen und auch mal in unbekannte Bereiche vordringen, die vielleicht auf den ersten Blick zu ‚technisch’ oder zu männerdominiert wirken.

BOSANOVA-Redaktion: Wenn Ihnen eine gute Fee eine einjährige Auszeit bescheren würde – egal ob beruflich oder privat – womit würden Sie diese Zeit am liebsten verbringen bzw. welches Projekt würden Sie dabei anstoßen wollen? Gibt es noch Unerfülltes, das Sie auf den Weg bringen wollen?

Sandra von Möller: Eine einjährige Auszeit würde ich nutzen, um zusammen mit meinem Mann und unseren Kindern die Welt zu bereisen, da das Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensstandards den eigenen Horizont erweitert und vieles relativiert. Dafür müsste die gute Fee natürlich auch meinem Mann und den Kindern eine Auszeit schenken. Abgesehen davon gibt es noch viele Projekte, die ich gerne anstoßen bzw. weiter voranbringen möchte. Aber das werde ich auch ohne Auszeit angehen, da ich nicht auf eine Fee warten will, die möglicherweise nie kommen wird. ;-)

BOSANOVA-Redaktion: Ganz herzlichen Dank für das Interview, Frau von Möller und viel Erfolg bei all Ihrem Engagement und Ihren Vorhaben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.