Im Interview: Christian Schmachtenberg, Designer, Vordenker & Nachwuchsförderer

Christian Schmachtenberg im Interview bei BOSANOVAInterview mit Christian Schmachtenberg, Designer, Vordenker und Nachwuchsförderer; Foto: privat; Collage: © BOSANOVA Agentur für Communication & Event, Köln, 2017

In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. Diesmal: Christian Schmachtenberg, Designer, Vordenker und Nachwuchsförderer für Erlebniskommunikation in der Kreativbranche.

BOSANOVA UND CHRISTIAN SCHMACHTENBERG – WIR MACHEN DIE WELLE – FÜR KREATIVES DESIGN & DEN BRANCHENNACHWUCHS

 

BOSANOVA-Redaktion: Sabrina, Christian & Du, wann und bei welcher Gelegenheit habt ihr euch kennengelernt und wie haltet ihr über die Jahre euren Kontakt?

Sabrina: Christian und ich haben uns damals in einer Werbeagentur in Köln kennengelernt. Ich war zu diesem Zeitpunkt Praktikantin und Christian war schon ein totaler Profi im Bereich Grafik&Design. Er hat damals für ein Incentive in Dubai die komplette Gestaltung der Medien übernommen und ich durfte über die Schulter spionieren ;-) meine Begeisterung war somit groß! Der Kontakt ist dank der „neuen“ Medien gut zu halten und ab und an kreuzen sich auch unsere Wege und dann werden zum Beispiel Waschmaschinen von A nach B gefahren (kleiner Insider). Doch es wird nur mal wieder dringend Zeit Seniore Schmachtenberg!

BOSANOVA-Redaktion: Christian, Deine Vita liest sich ein bisschen wie aus dem Who-is-who der Kreativ- & Kommunikation-im-Raum-Branche. Diplom-Designer mit Stationen in München, Stuttgart u. Köln – bei Agenturen wie Totems, Jung von Matt, MDLab, Meta Design, etc. Doch kreativ sein allein war Dir nie genug. Nachwuchsförderung und Ausbildung – das hast Du Dir schon vor langer Zeit auf die Fahnen geschrieben. Warum ist Dir das so wichtig?

Christian Schmachtenberg: Ich glaube nicht nur an die Kraft von Ideen sondern ich bin mir sicher, dass diese Ressource ein immer wichtigerer Faktor unserer Ökonomie werden wird. Demnach fordere ich bei meinen Studenten und Kollegen ein und biete Unterstützung an, wenn es um die intelligente, verrückte und außergewöhnliche Ideen geht.

Ich hatte das Glück von den Besten zu lernen … durfte weltweit Erfahrung sammeln und habe viel von anderen Kulturen gelernt. Dieses Wissen möchte ich weitergeben um neue Ideen, neue Kommunikationslösungen und neue Erlebnisse zu schaffen. Wir leben in einer dynamischen und schnelllebigen Zeit – die Resource Idee wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger, das muss gefördert werden.

BOSANOVA-Redaktion: Als ADC-Mitglied hast Du seinerzeit u.a. dafür gesorgt, dass der ADC-Nachwuchswettbewerb eine neue Kategorie für Experimentelles Gestalten erhält. In einem Interview mit PAGE erklärst Du das Ziel, damit Studenten & Junioren mehr Freiraum für Neues, Zukunftsweisendes in der Kommunikation eröffnen zu wollen – auf der Suche nach Konzepten und Lösungen für eine bessere Gesellschaft. Konntet ihr damit Ähnliches bewirken? Welche Auswirkungen spüren wir eventuell heute davon?

Christian Schmachtenberg: In dem Interview habe ich auch von Mut gesprochen. Trotz aller Möglichkeiten herrscht im Business eine große Unsicherheit. Jobsicherheit ist nicht mehr gewährleistet aber viele fordern das auch gar nicht mehr ein. Trotzdem muss in der Kreation mehr experimentiert werden. Dafür bietet sich ein Studium hervorragend an … blöder Weise haben viele junge Leute Angst vorm Scheitern. Die Leistungsgesellschaft ist süchtig nach Erfolgsmeldungen. Die Sozialen Netzwerke erziehen uns zu Feedback Junkies. Es ist aber immens wichtig Dinge auszuprobieren, neuzumachen, immer und immer wieder. Bei Jung von Matt wird die Haltung: „wir bleiben unzufrieden“ gelebt. Das Wording finde ich irritierend aber der Sinn bringt es auf den Punkt. Denn nur wenn man am Ball bleibt und sich nicht klein kriegen lässt, wirst du Neues schaffen. Innovation funktioniert nicht auf Knopfdruck. Nur wer Dinge ausprobiert kann sich weiterentwickeln.

2011 wurde die Plattform WHAT DESIGN CAN DO geboren. Eine Initiative bei der Gestaltung als Katalysator genutzt wird um gesellschaftsrelevante Themen unserer Zeit zu lösen. Ein Jahr später wurde das Projekt „Fieldwork“ vom ADC ins Leben gerufen. Das Konzept ist vergleichbar. Die Arbeiten, die dabei entstanden sind haben begeistert. Kostprobe gefällig? Bitte: .

Grund genug, diesen Spirit in die Hochschule zu tragen. An unserer Hochschule habe ich das Seminar „Kreative Intelligenz“ eingeführt um Lösungen zu entwickeln, die auf den Wandel reagieren. Wir müssen lernen uns immer wieder neu zu erfinden.

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BOSANOVA-Redaktion: Inhalte, Gestaltung & Technologie – ein Trio, das für Dich zusammen gehört – dazu mehr Freiraum für Kreativität, gesellschaftliches Umdenken. Das Münchner Manifest rüttelte seinerzeit ziemlich an der Branche und sollte für neuen Diskurs und einen Branchen-Kongress sorgen. Was hat sich im Rückblick seitdem geändert? Und hat die fortschreitende Digitalisierung ihren Teil dazu beigetragen?

Christian Schmachtenberg: Das Münchner Manifest ist ein schönes Beispiel für „Scheitern“. Inhaltlich waren wir auf einem wegweisenden Weg, leider sind wir in eine organisatorische Falle getappt, die uns zum Aufhören gezwungen hat. Das war eine schmerzliche und teuere Erfahrung. Schade, Krönchen richten & weitermachen.

Was die „Branche“ betrifft: die vermischt sich immer mehr. Digitalagenturen machen Ausstellungen, Eventagenturen Expo Pavillons und Werbeagenturen Kommunikation im Raum. Alle wollen ein Stück vom Kuchen. Kommunikation wird zum Erlebnis und alle erzählen Geschichten. Irgendwie. Ich überlasse es den anderen die Branche zu sezieren und entsprechend zu kommentieren. Wenn ich helfen kann, gerne. Anruf genügt :)

BOSANOVA-Redaktion: Veränderungen entstehen oft erst aus mutigen Ideen heraus. Dafür hast Du schon immer plädiert und den Nachwuchs – also Studenten und Junioren – ermutigt, quer und damit neu zu denken, offen zu sein. Bereits über zehn Jahre bist Du Dozent für Experimentelles Design an der DHBW Ravensburg. Seit Oktober 2016 hast Du eine Professur an der Hochschule Kaiserslautern übernommen. Was können Deine Studenten von Dir erwarten? Worin ermutigst Du sie besonders und was erwartest Du im Gegenzug von ihnen?

Christian Schmachtenberg: Querdenken! Sie müssen lernen Dinge zu hinterfragen um daraus neue Konzepte zu formulieren. Sie sollen überraschen und Lösungen für neue Fragestellungen entwickeln. Mein damaliger Chef sagte mir immer: „Chris, I want magic!“ – genau das verlange ich von meinen Studierenden. Es funktioniert. Aktuell habe ich Konzepte vorliegen, bei denen Bäume als wifi Verstärker funktionieren oder es werden Spiele entwickelt, die Schüler unterschiedlicher Kulturen zusammenbringen. Der Mensch nutzt sein Gehirn nur zu einem geringen Prozentteil, könnten wir den Rest nicht als Datenspeicher nutzen? Ihr seht, es gibt viele Ansätze, über die man nachdenken kann. Das macht es so spannend.

Die Professur für Erlebniskommunikation ist am Studiengang Virtual Design im Fachbereich Bauen und Gestalten angesiedelt. Bedeutet: Technologen, Designer und Architekten / Innenarchitekten arbeiten in Teams zusammen um Neues zu entwerfen. Wir müssen raus aus unseren Denksilos! Aktuell bauen wir eine Prototyping Werkstatt wie auch ein Virtual Design Forschungslabor. Wir arbeiten an neuen Erlebnisformaten und haben bereits einen Welthit produziert: Kollege Prof. Thomas Wagner hat mit seinem VR Coaster die Freizeitpark Industrie revolutioniert. Andere Themen werden folgen.

BOSANOVA-Redaktion: Welche Projekte beschäftigen dich aktuell und welche stehen mittelfristig auf Deiner Wunschliste?

Christian Schmachtenberg: Da gibt es zum Beispiel das Humboldt Forum in Berlin. Wir (http://www.krafthaus.eu/) konzipieren und gestalten eine 4.500qm grosse Ausstellung. Außerdem arbeiten wir am einem Wettbewerb für die Expo 2020 in Dubai. Im März sind wir als Keynote Speaker beim SXSW Festival in Austin. Thema: Intelligent Spaces (http://panelpicker.sxsw.com/vote/70602).

BOSANOVA-Redaktion: Wenn Dir jemand für ein Herzensprojekt zum Beispiel ein Sabbatical schenken würde: Wofür würdest Du die Auszeit – privat oder beruflich – gerne verwenden und mit welchem Ziel?

Christian Schmachtenberg: Das Land Rheinland Pfalz wird mir ein Sabbatical möglich machen. Es wird Forschungsfreisemester genannt. Jeder Professor hat die Möglichkeit sich mit einem bestimmten Thema intensiv zu beschäftigen. Ich werde mich mit der Kreativen Intelligenz auseinandersetzen, um an neuen Erlebnissformaten zu forschen. Dabei werde ich meine Internationalen Kontakte nutzen um eine globale Bewegung zu initiieren. Wir werden sehen wie weit ich komme.

BOSANOVA-Redaktion: Vielen Dank Christian, das klingt sehr vielvesprechend und wir wünschen Dir viel Erfolg bei all Deinen Vorhaben! Auf jeden Fall freuen wir uns schon auf ein Update bei nächster Gelegenheit. :-)

 

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