Im Interview: Ernst Alexander, Fotodesigner in Köln

Fotodesigner Ernst Alexander im Interview bei BOSANOVA Agentur KölnIm Interview: Fotodesigner Ernst Alexander aus Köln; © BOSANOVA Agentur für Communication & Event, Köln, 2018 (Foto: @ privat)

In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. Diesmal: Ernst Alexander, Fotodesigner für Fashion, Beauty & Lifestyle mit eigenem Fotostudio in Köln.

BOSANOVA UND ERNST ALEXANDER – WIR MACHEN DIE WELLE – FÜR LIFESTYLE & DESIGN

BOSANOVA-Redaktion: Sabrina, Ernst & Du, ihr kennt euch bereits aus früherer Zusammenarbeit. Woher genau und wie haltet ihr den Kontakt?

Sabrina Stremmel: Der liebe Ernst und ich waren sozusagen Schreibtischnachbarn. Bei der Agentur Feuerland aus Köln haben wir uns das Büro mit Ernst als Fotograf geteilt und wir zwei saßen direkt nebeneinander und hatten jede Menge Spaß. Zudem durfte ich damals als Junior Art Direktorin verschiedene Fotoshoots mit Ernst betreuen, dadurch hatten wir immer sehr viel miteinander zu tun und der Spaß blieb zu keinem Zeitpunkt auf der Strecke. Er ist einfach auch ein verrückter, liebenswerter Vogel 😉 und somit ist der Kontakt leicht und einfach zu halten, was die Social Media Kanäle natürlich auch nochmals erleichtern. DANKE Ernst!

BOSANOVA-Redaktion: Ernst, Du bist Fotodesigner mit eigenem Studio seit über dreißig Jahren. Was macht für Dich den Unterschied aus zwischen Fotodesign und Fotografie? Wo liegen für Dich die Grenzen?

Ernst Alexander: Die Fotografie ist ein Ausbildungsberuf der Handwerkskammer. Hier steht vor allem die technische und handwerkliche Ausführung im Vordergrund.
Beim Fotodesign kommt aber noch die konzeptionelle Bildidee und deren Ausgestaltung hinzu. Es geht mehr um die visuelle Gestaltung von Bildern als nur um die rein formale Abbildung. Natürlich muss man auch als Fotodesigner technisch fit sein und sich permanent auf dem neuesten Stand halten.
Für mich stand schon immer die Bildkomposition und die Erschaffung einer einzigartigen Bildsprache im Vordergrund. Bei meiner Arbeit geht es mir vor allem um das Geschichtenerzählen. Emotionen bei dem Betrachter zu erzeugen und besondere, authentische Momente zu schaffen.

BOSANOVA-Redaktion: Du hast seinerzeit bei dem renommierten Kölner Mode- und Werbefotografen Max Wette gelernt, der zwanzig Jahre Obermeister der Innung in Köln war. Du hast Dein Handwerk insofern von der Pieke & auf höchstem Niveau gelernt. Was war aus heutiger Sicht Dein größter „Schatz“ – also das Wertvollste an Wissen oder Handwerkskunst – was Du aus Deiner Lehrzeit mitnehmen durftest?

Ernst Alexander: Du meinst neben den zahllosen Anekdoten die mir aus meiner Ausbildung in Erinnerung geblieben sind? Da war Max einer der wenigen klassischen „Handwerksfotografen“ in Köln. Die täglich genutzten Kameraformate fingen bei 6×6 Mittelformat an und reichten bis 13×18 Grossformat. Das bedeutete für mich, der ich bis dahin nur mit Kleinbild gearbeitet hatte, erst einmal eine gewaltige Umstellung. Aber ich war gierig zu lernen und nahm mir zum Beispiel als ein entsprechender Job „on location“ anstand eine Hasselblad 12er Filmkassette mit nach Hause und übte das Nachladen bis die dazu benötigte Zeit unter 20 Sekunden lag. 🙂
Mitgenommen habe ich Max’ Fähigkeit zur kreativen Gestaltung und die künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Medium Foto, die den Unterschied macht zwischen einer Abbildung und einer künstlerischen Interpretation. Ich habe ihn bewundert für sein visionäres Potential und seine kreative Respektlosigkeit. Ich habe von ihm gelernt, was ein Bild einzigartig macht.

BOSANOVA-Redaktion: War die Modefotografie schon von Anfang an Dein größtes Faible? Was hat Dich gerade am Bereich Fashion so sehr fasziniert?

Ernst Alexander: Meine erste Begeisterung für die Modefotografie wurde durch die Photokina in den frühen 80ern geweckt. Dort lernte ich auch Fotografen wie Helmut Newton und Richard Alvedon persönlich kennen. Hinzu kam mein Interesse an der Arbeit mit Menschen.
Mit der Arbeit als Modefotograf führte dies dann unweigerlich zu vielen Foto-Reisen. Dabei begeistert mich immer wieder die Auseinandersetzung und Inspiration mit neuen Welten und deren Darstellung in der Komposition aus Model und Umgebung. Die Inszenierung einer eigenen Welt, die manchmal auch surreal sein darf. Es gibt keine Grenzen der Fantasie. Man kann eigene Geschichten und Visionen erschaffen.

BOSANOVA-Redaktion: Bevor Du Dich selbständig gemacht hast, warst Du zunächst Assistent bei Modefotografen in Köln und Paris und hast für Model-Agenturen in München und Mailand gearbeitet. Welche Erfahrungen konntest Du sammeln und was gab den Ausschlag für Dich, 1986 Dein eigenes Studio in Köln zu eröffnen?

Ernst Alexander: Nach meiner Lehr- und Assistenzzeit in Köln und Paris habe ich meine guten Kontakte genutzt und in München und Mailand Sedcards für Modellagenturen fotografiert. Das hat meinen Blick für gute Models geschärft und Routine gebracht. Danach bin ich wieder zurück nach Köln gekommen und hatte die Mappe voll von tollen Fotos. Der erste eigene Modejob kam noch bevor mein Studio fertig renoviert war. Fast unmittelbar danach kam eine sehr erfolgreiche Schwarzweiß-Kampagne für einen Modekunden. Mit dem entsprechenden Portfolio, habe ich bei jedem Aquisetermin den Job mit nach Hause genommen.

BOSANOVA-Redaktion: Fotografen über die Schulter zu schauen gelingt einem ja nicht oft. Vom Making-of Deiner Shootings für Lerros, einem Modelabel mit der Philosophie ‚Lifestyle for every day‘, gibt es einige spannende Youtube-Videos. Sind diese Eindrücke realistisch oder geht es hinter der Kamera doch viel hektischer zu als man denkt?

Ernst Alexander: Da ist nichts gestellt, geschönt oder rausgeschnitten 😉 Ich versuche immer für eine entspannte, positive aber trotzdem konzentrierte Atmosphäre am Set zu sorgen ohne zu kompliziert „rüberzukommen“. Ich bin letzte Woche von einer Produktion in Schottland zurückgekommen und hatte ein langes Briefing für das Modell in Englisch vorbereitet. Schließlich habe ich nur zu ihm gesagt: „Stell Dir vor Du wärst hier aufgewachsen, bist dann nach London gegangen und hast dort beruflich alles, wirklich alles, erreicht. Nun bist Du zurück in Deiner Heimat, erinnerst Dich und atmest die Umgebung“. Er hat es perfekt umgesetzt – manchmal können die Dinge so einfach sein!
Im Grunde genommen ist ein gutes Modefoto ja auch immer Teamarbeit. Nur wenn Modell, Fotograf, H&M und Styling optimal zusammenarbeiten, kommt am Ende auch was Gutes dabei raus.

BOSANOVA-Redaktion: Welche Projekte reizen Dich auch nach über 30 Jahren Selbständigkeit noch besonders? Gibt es einen Traum, den Du Dir als Fotograf noch gerne erfüllen würdest?

Ernst Alexander: Neben meinen Modejobs mache ich inzwischen viele eigene Projekte und arbeite an Themen, die mich besonders interessieren. Ich habe z.B. eine Serie über tätowierte Menschen gemacht, die ich entsprechend ihrer Tattoos und ihrer Persönlichkeit ganz unterschiedlich inszeniert habe. Die Bilder wurden in zwei Ausstellungen gezeigt und sind mehrfach veröffentlicht worden.
Daneben habe ich meine Liebe zur analogen Fotografie wieder entdeckt.
Ich sammele SX70 Polaroid Kameras und bin mit den damit gemachten Fotos seit 2015 regelmässig im kuratierten Photodarium Kalender vertreten.
Darüberhinaus sind noch einige andere „Schätzchen“ in meiner Sammlung. Unter anderem eine Polaroid 195 die manuell zu bedienen ist. Die entsprechenden Filme, 4×5“ Schwarzweiß und Color, werden nicht mehr hergestellt und warten daher liebevoll gekühlt gelagert auf ihren Einsatz. Dazu passt der Wunsch in einer Dunkelkammer meinen alten 9×12 Vergrößerer wieder zu reanimieren. Leider fehlt mir dazu im Moment noch die Zeit.
Ach ja und dann würde ich noch gerne mit meinem vierjährigen Sohn Zeit zum Reisen haben um ihm die Welt zu zeigen und um in ihm die gleiche Neugier zu wecken, die mich noch heute antreibt … 😀

BOSANOVA-Redaktion: Vielen Dank für das Interview, Ernst, und bis sicher bald!

Fotos: © privat, mit freundlicher Genehmigung: Ernst Alexander

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