Im Interview: Jean-Pierre Andreae, Premium Guide Berlin

Jean-Pierre Andreae im BOSANOVA-InterviewIm Interview: Jean-Pierre Andreae, Premium Guide Berlin, Foto: © Tatjana Ohl, Collage: © BOSANOVA Agentur für Communication & Event, Köln, 2018

In unserer Interviewreihe stellen wir Kooperationspartner und Menschen aus unserem Netzwerk vor, die mit uns die Welle machen. Diesmal: Jean-Pierre Andreae, der als PREMIUM GUIDE BERLIN exklusive Führungen und Stadtrundfahrten durch die Hauptstadt anbietet.

BOSANOVA UND JEAN-PIERRE ANDREAE – WIR MACHEN DIE WELLE – FÜR EVENTS AUF HÖCHSTEM NIVEAU

BOSANOVA-Redaktion: Bianca, Jean-Pierre hast Du im Zuge der Recherche für ein hochkarätiges Kunden-Event in der Hauptstadt entdeckt. Was hat Dich an ihm besonders begeistert??

Bianca: Ich habe Jean Pierre nicht nur entdeckt, er hat auch mehrere Tage des Events unsere Kunden betreut und ihnen Berlin und auch Potsdam von einer ganz anderen Seite gezeigt. Wichtig war uns jemand mit Stil und Klasse und dazu in perfektem Englisch, so dass sich die Kunden rundum wohlgefühlt haben. Das ist ihm von A bis Z gelungen und ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen, da zu Stil und Klasse auch ein toller Mensch gehört!

Jean-Pierre Andreae, Premium Guide Berlin

Jean-Pierre Andreae, PREMIUM GUIDE BERLIN; Foto © privat, 2018

BOSANOVA-Redaktion: Jean-Pierre, eigentlich bist Du ein Landei (so bezeichnest Du dich auf Deiner Website zumindest selbst …). Was gab den Ausschlag für Dich den Trubel der deutschen Hauptstadt dem Landleben vorzuziehen?

Jean-Pierre Andreae: Ich bin tatsächlich auf einem Gutshof aufgewachsen. Das Nachbardorf ist zweieinhalb Kilometer weg – ländlicher geht es wahrlich nicht. Da ich rein von meinen Interessen her, obwohl der Älteste, nicht als Hoferbe in Frage kam, ging ich nach dem Abitur nach München. Dort habe ich zunächst eine Ausbildung zum staatlich geprüften Übersetzer und Dolmetscher für Englisch gemacht, bevor ich das Studium der Publizistik begann. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung fand ich die Perspektiven Berlins und den Prozess des Zusammenwachsens so aufregend, dass ich meine Koffer gepackt habe und am 2. November 1990 – also vier Wochen nach der Wiedervereinigung – dort angekommen bin.

 


Diese Fotos von Premium Guide Berlin Private Tours wurden beide von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

BOSANOVA-Redaktion: Als staatlich geprüfter Übersetzer und Dolmetscher für Wirtschaftsenglisch bist Du ja geradezu prädestiniert, die Berlin-Touren hochklassigen Geschäftskunden aus Übersee anzubieten. Wie hoch ist der Anteil ausländischer Gäste am gesamten Klientel Deiner Touren und woher kommen sie?

Jean-Pierre Andreae: Beinahe hätte ich gesagt 100 %, aber ein paar Ausreißer gibt es schon. Aber englischsprachige Gäste bzw. Führungen sind in der überwältigenden Mehrheit. Sie kommen ganz klassisch aus dem angloamerikanischen Sprachraum in der Regel plus Australien. Bei Firmenevents kommt es natürlich vor, dass die Teilnehmer aus allen Teilen der Welt kommen. Weil die Konferenzsprache in der Regel Englisch ist, komme ich da als Guide durchaus in Frage, trotz des Makels, leider keine weiteren Sprachen zu sprechen.

BOSANOVA-Redaktion: Du hast Dir ein immenses Wissen über Geschichte, Stadtentwicklung, Kunst und Kultur rund um die Hauptstadt angeeignet. Wie lange brauchte es dafür und wie hältst Du Dich weiter auf dem Laufenden?

Jean-Pierre Andreae: Hmmm, schwierig zu sagen, da ich ja im Grunde diese Tätigkeit als Guide schleichend begonnen habe. Es begann ja im Grunde als Hobby für einen guten Freund. Der macht als Kunsthistoriker ebenfalls, wie ich finde, herausragende Führungen abseits dieses Hier-sehen-Sie-links-hier-sehen-Sie-Rechts-Schemas. Sein Englisch ist nicht ausreichend und so kam er eines Tages damit zu mir. Das ist jetzt 7 Jahre her.

Natürlich musste ich mich am Anfang auf den Hosenboden setzen und schlicht, wie damals in der Schule, richtig lernen und wiederholen. Bei den ersten Führungen habe ich mich vorher immer noch einmal hingesetzt und Notizen usw. überflogen. Das muss ich schon lange nicht mehr, weil mein Wissen so umfangreich ist, dass ich mehrere Stunden locker füllen kann.

Die Fort- bzw. Weiterbildung erfolgt durch regelmäßige Lektüre von Berlin-Literatur, vor allem im Zusammenhang mit der Erarbeitung von neuen Themen, die von Gästen angefragt werden. Das kann eine Führung in einem Bezirk oder Kiez sein, wo ich nicht so oft bin, oder zu bestimmten Architekturen, wie zum Beispiel „Brutalismus“ oder im kommenden Jahr das Bauhaus-Jubiläum. Natürlich gehört auch dazu, dass ich aktuelle Bauprojekte, wie den Wiederaufbau des Berliner Schlosses möglichst hautnah verfolge und natürlich am 26. August auf der Offenen Baustelle war. Das ist für mich als Guide quasi ein dienstlicher Pflichttermin.

BOSANOVA-Redaktion: Deine Führungen sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Vorlieben der Berlin-Besucher: Von Gründerzeit, historisches Berlin, dem architektonischen Größenwahn und den Hinterlassenschaften des Tausendjährigen Reiches über die Zentralen der Macht im neuen und alten Regierungsviertel bis zum Szeneviertel Prenzlauer Berg. Welche Blickwinkel machen dich dabei aktuell besonders neugierig und was ruft bei Dir noch ein Staunen hervor?

Jean-Pierre Andreae: Ach herrje, da weiß ich im Grund gar nicht, wo ich anfangen soll. Berlin gibt einfach so viel her, dass für mich als professionellem Guide fast alle Großbaustellen – und das meine ich jetzt wörtlich – relevant sind.

Egal ob das der Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist, die Idee des Erstligisten Hertha BSC das Olympiastadion in eine reine Fußballarena umzubauen – was ich für den absoluten GAU für dieses herausragende Baudenkmal halten würde – der Umgang mit dem gigantischen Gebäudekomplex des ehemaligen Flughafen Tempelhof und so weiter. All das verfolge ich gründlich und sauge alle Informationen darüber wie ein Schwamm auf.

Staunen kann ich immer noch darüber, wie provinziell und uninspiriert hier an vieles herangegangen wird. Ich weiß, dass klingt jetzt etwas hart. Ich liebe diese Stadt und genau diese Liebe wird schon ab und zu auf eine harte Probe gestellt.

Berlin. Ich liebe diese Stadt und genau diese Liebe wird schon ab und zu auf eine harte Probe gestellt. Klick um zu Tweeten

Berlin ist ganz sicher die einzige Weltstadt, die Deutschland zu bieten hat, aber es kann gleichzeitig auch unfassbar provinziell daherkommen. Da ich die historischen Ursachen dafür kenne, fällt es mir inzwischen etwas leichter damit umzugehen, aber ich bekomme auch nach wie vor graue Haare, wie manche Dinge hier behandelt werden.

BOSANOVA-Redaktion: Welche Herausforderungen begegnen Dir als Premium Guide im Großstadt-Dschungel? Gab es schon mal Pannen zum Beispiel durch höhere Gewalt und wie geht man damit um?

Jean-Pierre Andreae: Klingt vielleicht zu schön, um wahr zu sein, aber so richtige Katastrophen bzw. größere Pannen habe ich – toi, toi, toi – noch nie erlebt.
Wenn etwas einmal nicht ganz so rund läuft, wie ich mir das überlegt habe, dann ist das sehr oft wetterbedingt oder durch äußere Umstände, bei denen die Gäste sofort sehen, dass sie nicht mir anzulasten sind.

Es gab einmal die Situation, dass wir entgegen unserer Planung nicht auf das Reichstagsdach konnten, weil es wegen eines heraufziehenden Herbststurms geräumt wurde und es kommt natürlich in der Hauptstadt ab und zu vor, dass eine Straße oder ein Quareé aufgrund des Besuchs zum Beispiel einer Regierungsdelegation vorübergehend abgesperrt ist. Dann muss man eben flexibel reagieren und souverän mit der Situation umgehen. Da die Gäste oder Teilnehmer einer Firmenveranstaltung den Grund für die Implementation von „Plan B“ nicht mir anlasten, gibt es da auch keine schlechte Laune.

BOSANOVA-Redaktion: Wenn Du zurückblickst: Gab es eine Frage, ob kurios oder verblüffend, die Dich besonders gefordert hat und wie konntest Du sie dann doch beantworten?

Jean-Pierre Andreae: Es gab bislang drei besondere Herausforderungen ganz unterschiedlicher Art. Bei zweien hatte ich aber genügend Vorbereitungszeit, so dass ich die Kunden maximal zufriedenstellen konnte, auch wenn das Ansinnen auf den ersten Blick überraschend war.

Sehr besonders war das Ansinnen einer Eventagentur bei der Planung einer mehrtägigen internationalen Veranstaltung in Berlin. Im Kern ging es bei diesem Get Together der Führungsebenen um die Einführung einer neuen Firmenphilosophie in Form von 10 Leitsätzen. Die Agentur hat mich nun mit drei Themenführungen beauftragt. Die Herausforderung für mich bestand darin, im Rahmen dieser Touren zu versuchen diese neuen Leitsätze zwischen den Zeilen anklingen zu lassen. Sich darüber Gedanken zu machen, war wirklich spannend.
Ich hatte aber fast 2 Monate Zeit, mich vorzubereiten, was natürlich auch seinen Preis hat.
Ich habe das damals aber so gut gelöst, dass sich der Seniorchef anschließend noch mit einem handschriftlichen Brief bei mir bedankt hat.

Bei der anderen Anfrage ging es um eine Führung zum Thema „Brutalismus in Berlin“. Das sagte mir zunächst einmal gar nichts. Als dann klar war, dass einfach eine Stilrichtung der Nachkriegsmoderne ist, war es halt einiges an Recherchearbeit und Lernen – womit wir nochmals bei der vorherigen Frage sind. So eine Tour ist zwar rein finanziell gesehen nicht besonders lukrativ, weil so viel Vorbereitung nötig ist, aber es bleibt ja immer auch ein Erkenntnisgewinn für mich, den ich dann bei anderen Touren einbringen kann.

Last but not least hatte ich mal eine Führung mit einem regierenden Scheich, den ich auch mit „Hoheit“ ansprechen sollte. Er stellte mir im Rahmen eines Ausflugs nach Potsdam die Frage, wie es dazu gekommen ist, dass ein Fürst aus dem Hause Hannover auf dem englischen Thron gelandet ist. Da hatte er mich auf dem falschen Fuß erwischt. Aber ich durfte die Erfahrung machen: Wenn man souverän zur Lücke steht und anbieten kann, dass man sich um deren Schließung kümmern will, hat man auch bei einer Person keine Probleme, die es vielleicht nicht gewöhnt ist, dass man ihr etwas verweigert.

BOSANOVA-Redaktion: Wenn Du Dir aussuchen könntest in einer anderen Stadt Premium Guide zu sein, wo wäre das und würdest Du tauschen wollen?

Jean-Pierre Andreae: Ehrlich gesagt, stellt sich mir die Frage nicht einmal hypothetisch. Ich bin glücklich und ein wenig stolz, dass ich so viel über Berlin weiß, dass ich über mehrere Tage mit denselben Gästen Führungen machen kann. In jeder anderen Stadt müsste ich komplett von vorne anfangen. Wobei das nicht das Problem ist. Natürlich lässt sich von jeder Stadt die Geschichte lernen und mit den Gegebenheiten vor Ort in Verbindung bringen.

Was meine Führungen aber besonders macht, ist die Verbindung auch mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 25 Jahre aus erster Hand. Wenn man das alles außeracht lässt, dann ist man ganz schnell bei so einer reinen Hier-sehen-Sie-Links-hier-sehen-Sie-rechts-Tour. Das ist definitiv nicht mein Anspruch. Dass ich meinen hohen Ansprüchen auch gerecht werde, bestätigen die Bewertungen meiner Gäste zum Beispiel auf Tripadvisor. Das Schlüsselwort dort, denke ich, ist „Passion = Leidenschaft“. Das zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Bewertungen und ich bin überzeugt, dass man, egal, was man tut, nur dann besser ist als andere, wenn man es mit Leidenschaft tut!

BOSANOVA-Redaktion: Jean-Pierre, vielen Dank für das Interview und Dir weiterhin ganz viel Erfolg und Spaß bei Deinen Touren.

 

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